Brasilien

Pantanal -Südamerikas Tierparadies

Bevor wir durch den Pantanal reisten, erkundeten wir in ein paar Tagen das kaum bekannte Paraguay. Obwohl dieses Land keine spektakulären Sehenswürdigkeiten, wie ihre Nachbarn zu bieten hat, lohnt es sich allemal die sehr gastfreundlichen Paraguayer zu besuchen. Von Ciudad del Este nahmen wir den Bus nach Encarnacion. Die Busflotte bietet wie so oft die gesamte Bandbreite von uralt bis super modern. Auch ist es wie überall in Südamerika üblich alles mögliche von Maissäcken bis Möbel mit zu transportieren.  Aus dem Busfenster betrachten wir die landwirtschaftlich geprägte Landschaft. Die rote Erde ist fruchtbar, wenn nicht Sojabohnen darauf wachsen, dann wird es als Kuhweide genutzt.

Uns erstaunte, dass alle möglichen weltbekannten Fastfood-Ketten in Paraguay vertreten sind. In den anderen besuchten Ländern sind die zum Teil kaum vorhanden. Wie auch schon zu Hause machen wir uns nichts aus diesem „Frass“ und verköstigen uns lieber von der lokalen Küche. Wer nicht die Sopa Parguaya oder Tereré probierte, der war auch nicht in Paraguay. Doch was ist das? Logisch, Sopa Paraguaya ist doch eine Suppe. Wer nun ein Teller Suppe erwartet, der guckt ziemlich blöd aus der Wäsche, wenn einem ein Stück Maiskuchen serviert wird. Tereré ist ein beliebtes traditionelles Getränk. Matekräuter werden mit Eiswasser aufgegossen. Oft wird es in einer geselligen Runde zusammen getrunken, das Trinkgefäss wird dabei herumgereicht. Auch wir haben uns mit allem was man so dafür braucht ausgerüstet. Das Getränk ist bei der Hitze hier sehr erfrischend.

Bei Trinidad besuchten wir die Jesuitenruinen, die mittlerweile zum Unesco-Weltkulturerbe gehören. Die umfassenden Anlagen aus rotem Stein wurden Anfang des 17. Jahrhunderts erbaut. Das Ziel war, die Guaraní-Indianer in den Jesuitensiedlungen sesshaft zu machen. Doch der Plan scheiterte ein paar Jahrzehnte später. Die Jesuiten wurden vertrieben, die Städte dem Verfall überlassen.

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Wie es der Zufall wollte, war an dem Wochenende Carnaval in Encarnacion. Das liessen wir uns keines Falls entgehen. Noch bevor der Umzug startete, herrschte trotz Regen ausgelassene Stimmung. Das Publikum tanzte auf den Stehplätzen und sprayte die umstehenden mit Schaum ein. Wir besorgten kurzerhand selbst ein Schaumspray um uns zu „rächen“. Der Umzug, der sich über ein paar Stunden hinzog, war wie erwartet kunterbunt. In farbenfrohe Federn und viel Gittersteinen gekleidet, gaben die Tänzerinnen und Tänzer Samba zum besten.

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Via Villarrica, dort gibt es noch Pferdefuhrwerke, fuhren wir nordwärts nach Pedro Juan Caballero an der Brasilianischen Grenze. Eigentlich wollten wir bei Bella Vista nach Brasilien einreisen, doch uns wurde davon abgeraten. Auch hier wieder unzählige Einkaufsmöglichkeiten auf der paraguayischen Seite. Wir nutzten die Gelegenheit und kauften ein grösseres Objektiv für unsere Kamera. Von nun an können wir Tiere viel besser fotografieren. Item, beide Länder sind durch einen Grasstreifen voneinander getrennt. In Paraguay reihen sich riesige Shoppingcenter aneinander. Auf der gegenüberliegenden brasilianischen Seite gibt es nichts dergleichen. Die Brasilianer gehen eben über den Grasstreifen zum Einkaufen, da es dort viel günstiger ist. Die Bewohner beider Länder können die Grenze ohne Formalitäten überqueren. Somit ist an den Grenzposten kaum was zu tun. Nur wir brauchten einen Stempel für den Pass und störten die Beamtin beim Nichtstun, oder besser gesagt WhatsApp schreiben.

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Momentan ist Regenzeit und einmal im Tag einen heftigen Niederschlag ist nichts aussergewöhnliches. Deshalb kam es lokal zu starken Überschwemmungen. Wir waren unsicher, ob es dennoch möglich ist durch den Pantanal zu reisen. Kurzerhand fragten wir per WhatsApp bei einem der Veranstalter nach. Wie sich herausstellte war dieser auch ein schweizer. Nach einem kurzen Gespräch gab er uns grünes Licht und wir buchten kurzerhand auch noch eine Tour durch das Pantanal über ihn. Aber zuerst fuhren wir nach Bonito. Wie es der Name schon verspricht, Bonito ist schön. Von dort aus besuchten wir vormittags den Buraco das Araras, ein „sinkhole“ in dem rote Aras leben. Begeistert sahen wir dem Flug der bunten Papageien zu. Um gute Fotos zu knipsen brauchten wir uns auch nicht zu verrenken, ab und zu flog ein Pärchen direkt auf den Ast vor uns. Angeblich leben unten im Loch Kaimane (Krokodilart) und eine sieben Meter lange Anakonda. Regina war froh, dass sie da nicht runter musste. Jedenfalls hat sich der Ausflug dorthin gelohnt. Neben den Aras sahen wir noch Tukane, Affen und ein Gürteltier.

Nachmittags ging es zum Rio Sucuri, ein glasklarer Fluss, in dem wir schnorcheln werden. Ausgerüstet mit Neoprenanzug, Taucherbrille und Schnorchel mussten wir uns den Sprung ins kühle Nass zuerst verdienen. Eine gefühlte Ewigkeit ruderten wir zuerst den Fluss hinauf. Endlich sind wir oben angelangt und konnten uns schnorchelnd den Fluss runter treiben lassen. Zu sehen gab es viele Fische und Wasserpflanzen. Aber auch ab und zu den Blick oberhalb des Wasser schweifen zu lassen lohnte sich. Bunte Schmetterlinge und Vögel, sowie Affen, die von Baum zu Baum sprangen, gab es zu bewundern.

Tags darauf brachen wir zur Lodge, in der wir vier Tage verbringen werden, auf. Wie sich herausstellte, ist die Regenzeit im Pantanal eine gute Reisezeit. Es hat kaum Touristen und an einem Tag hatten wir die Lodge sogar für uns alleine. Auch die Aktivitäten hatten wir oft als Privatausflug. Momentan sind weite Flächen überschwemmt, aber es muss nicht die ganze Zeit regnen. So hatten wir das Glück in unserer Zeit dort schönstes Wetter zu haben. Der Preis dafür war, dass es höllisch heiss wurde. Noch am selben Abend versuchten wir unser Glück beim Piranha fischen. Nur bissen die nicht so recht an, frasen nur das Fleisch vom Haken. Entschädigt wurden wir damit, dass wir viele andere Tiere sahen. Kaimane gibt es hier im Überfluss, im Jungel Ecuadors hatten wir verzweifelt nach einem gesucht. Auch sahen wir Waschbären und einen Ameisenbär.

 
Am zweiten Tag erkundeten wir vormittags die Umgebung vom Pferderücken aus. Das konnte ja noch witzig werden, bis jetzt sassen wir beide noch nie auf einem Pferd. Wir erhielten gutmütige Pferde, die dem des Guides brav hinterher trotteten. Nun konnten wir die Landschaft umso mehr geniessen. Wir ritten durch den Wald und die Felder, auf denen das Wasser dem Pferd manchmal bauchhoch stand. Auch hier bot die Tierwelt wieder einiges, Wildschweine, Hirsche, Störche, Papageien und noch viele mehr.

Nachmittags erkundeten wir den Rio Miranda vom Kajak aus. Auf dem breiten, dunklen Fluss liessen wir uns treiben und suchten das Ufer nach Tieren ab. Wir hofften darauf einen Otter zu sehen, doch dieser Wunsch wurde uns nicht erfüllt. Gelohnt hatte es sich jedoch trotzdem. So sahen wir viele Vögel wie Kormorane und sogar Aras. Die Kamera liessen wir sicherheitshalber bei unserem Guide im stabilen Boot.

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Wie jeden Morgen brauchten wir keinen Wecker zum aufstehen. Geweckt wurden wir pünktlich zum Sonnenaufgang vom Krach der Brüllaffen. Dieser Tag versprach viele Tiere zusehen, denn es stand Jeep Safari auf dem Programm. Da ja alles überschwemmt war, gab es kaum Ausweichmöglichkeiten. So fuhren wir alles über die holprige Strasse und unzählige Holzbrücken bis zum Rio Paraguay und wieder zurück. Auf der gesamten Fahrt hielten wir aufmerksam Ausschau nach Tieren. Neben den vielen Vögel wie Tukane oder Königsfischer sahen wir Hirsche, Wildschweine, Wasserschweine, Kaimane, Echsen und Störche. Die Hoffnung einen Jaguar zu sehen, hatten wir kaum. Der ist zwar das Aushängeschild des Pantanals, aber es gibt noch weitere Seltenheiten. Begeistert erspähten wir den zweiten Ameisenbären mit einem Jungen, das sich an den Rücken der Mutter festklammerte. Eine sehr selten gesichtete dunkle Wildkatze huschte über die Strasse. Sie ist etwas grösser als eine Hauskatze und eigentlich nachtaktiv. Unser Guide meinte er sehe sie zum ersten Mal. Die ziemlich unbekannte Katze heisst „Gato Morato“ und wer sie jetzt googlen will, der findet kaum Infos. Halb so tragisch, wir trafen noch eine weitere Rarität an. Mitten auf der Strasse sonnte sich eine Schlange. Wie sich herausstellte war dies eine „Boa Constrictor“, die eigentlich in den Bäumen lebt, sich aber von Vogeleiern am Boden ernährt. Pascal, der Guide und Fahrer waren begeistert und fotografierten und filmten sie, bis es ihr zu bunt wurde und im Unterholz verschwand. Regina schaute sie lieber aus sicherer Distanz an. Der Besitzer der Lodge sagte uns danach, die Wahrscheinlichkeit einen Jaguar zu sehen ist viel höher, als diese Boa. Da hatten wir ja Glück gehabt. Jaguar sahen wir keinen, nur dessen Pfotenabdrücke im Schlamm, immerhin.

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Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Boot über den Rio Miranda. Viele der Tiere, die wir sahen, kannten wir bereits. Wir hielten Ausschau nach Affen in den Bäumen. Wenn sie nicht herumturnten, machten sie Siesta auf einem Ast. Später trafen wir auf ein Wasserschwein, das sich sonnte. Auch hofften wir endlich Otter zu sehen. Wie es sein musste, hatten wir doppeltes Glück. Wir sahen beide flinken Schwimmer, den Flussotter und den Amazonas Riesenotter. Die letzten paar hundert Meter bis zur Lodge schwammen wir im warmen Fluss.

Das Abenteuer im Pantanal ging viel zu schnell vorbei. Als nächstes reisten wir westlich nach Corumba an der Grenze zu Bolivien. Bei einer brasilianischen Familie, die eine grosse Schildkröte als Haustier halten, übernachteten wir. Die Reise durch Südamerika neigt sich nun dem Ende zu. Unser Ziel ist ja einmal um die Welt zu reisen. Also ist der nächste logische Schritt den Pazifik zu überqueren. Von Lima, Peru, fliegen wir zuerst nach Hawaii, danach geht es zu den Kängurus.

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2 Gedanken zu „Pantanal -Südamerikas Tierparadies“

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